Die Ausstellung «Tempesta» ist eine Meditation über zeitgenössische Skulptur als komplexe und wirkmächtige Praxis, der im gegenwärtigen künstlerischen Kontext eine besondere Rolle zukommt. Sie erweist sich als Medium mit ausgesprochen vielfältigen Verbindungen von Form, Bild, Ton, Raum und Körper, die ein zugleich unvermittelt sinnliches als auch intellektuell stimulierendes Erlebnis ermöglichen. Kunst wird dadurch zu einem genuinen Erfahrungsort.
«Tempesta» vereint Werke bedeutender zeitgenössischer Kunstschaffender wie Julius von Bismarck, Josh Kline, Jos Näpflin, Vittorio Santoro, Tenant of Culture, Andreas Waldmeier und Annie Wan Lai-kuen. Weder rein kontemplativ noch direkt narrativ, sind die formal präzisen Arbeiten engagierte Setzungen, die eine aktive Auseinandersetzung mit der Gegenwart ermöglichen; sie existieren selbstbewusst und wegweisend in einem Kontext, der von multiplen gesellschaftlichen Krisen, existenziellen Bedrohungen und Herausforderungen geprägt ist.
Allen Werken von «Tempesta» ist eigen, dass sie der Welt gegenüber durchlässig sind und individuell starke künstlerische Formsprachen entwickeln. Dies verleiht ihnen die seltene Fähigkeit, einen Ort zu definieren, der in Äquidistanz zwischen Individuum und Gemeinschaft zu liegen kommt.
«Tempesta» vereint zudem künstlerische Positionen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten und spannt dadurch ein ausgedehntes Netz von Erzählungen auf. Zusammengenommen ergibt die Ausstellung eine Konstellation von persönlichen Erfahrungen, geschichtlichen Perioden und Geografien. «Tempesta» ist deshalb auch ein Projekt, das Verbindungen, Echos und Verwerfungen einer globalen Realität in Umrissen sichtbar werden lässt.
Der Ausstellungsparcours orientiert sich am übergreifenden Bild eines Übergangsritus, dem sich die Besuchenden mit dem Eintritt in die Räume widmen können. Sukzessive dem Rundgang im Gegenuhrzeigersinn folgend eröffnen sich von Raum zu Raum je eigenständige Szenarien, wobei manche der Künstler:innen einen, andere mehrere Räume bespielen. Jeder Raum ist als eigener Bereich mit einer eigenen Logik konzipiert. Verbunden sind sie nur indirekt, und zwar durch einen allen Werken eingeschriebenen gleichsam rituellen Charakter.
Curatorial Statement Daniel Kurjaković
In den Werken von «Tempesta» sind verschiedene anthropologische, psychologische, spirituelle oder gesellschaftspolitische Dimensionen eingeschrieben wie beispielsweise Exil und Diaspora, Traumata, soziale Prekarität, Verwerfungen und Bedrohungen oder andere existenzielle Realitäten. Form und Grammatik der Werke sind aber dergestalt, dass solche Aspekte fern von Didaktik oder thematischen Verkürzungen bleiben. Vielmehr zeugen sie, in den Worten des Gastkurators Daniel Kurjaković, «von seismografischen Dynamiken und einer leisen insistierenden Dringlichkeit, die nicht direkt wahrnehmbar sind, sondern nur allmählich als unabweisliche Präsenz fühlbar werden, mehr permanentes Zittern als Erschütterung, mehr Glimmen als Feuersbrunst.»
Die Ausstellung versteht sich als Angebot an die Besucher:innen, sich Kunst als Erfahrungsraum, als Ort eigenständiger Rituale zu erschliessen. Die Werke regen körperbezogene Verhaltensweisen an, organisiert um gestische Abläufe, szenische Arrangements oder um Objekte, die eine rituelle oder performative Aufladung nahelegen. So lädt bei Waldmeier ein brunnenartiges Objekt dazu ein, sich die Hände zu reinigen und sich kurz zu sammeln, bei Santoro vermitteln Stimme und Megafon eine Art von Performance, wobei die Installation ambivalent zwischen der Dokumentation einer vergangenen Begebenheit und der Anleitung für ein zukünftiges Ereignis pendelt, und bei Tenant of Culture legt die radikale Umnutzung von Textilien ein ganzes Arsenal körperlicher und technischer Operationen nahe: zerreissen, kochen, färben, bleichen, zerschneiden und neu zusammen setzen. Der Ausstellungsparcours ist gleichsam als Übergangsritus – als rite de passage – angelegt. Der Begriff des Rituals bleibt dabei bewusst vielschichtig, rätselhaft, subjektiv.
In der gesamten Ausstellung tauchen Hinweise auf menschliche Präsenz – oder Absenz – auf. Die menschliche Figur blitzt hier und da auf (wie bei den fragmentierten Körpern von Josh Kline), zeigt sich verfremdet und abstrahiert (wie im Brunnen von Andreas Waldmeier) oder ist lediglich eine Andeutung in einem Werktiteln (z.B. in den den titelgebenden «steps» von Annie Wan Lai-kuen).
In den Werken von «Tempesta» ist also der ‘Körper’ nicht einfach abwesend, sondern problematisiert. Die Werke appellieren vor allem an die Körper der Besuchenden und stellen ausdrücklich die Frage, wie wir durch uns hindurch einander und anderen begegnen.
Wenn sich individuelle Existenz im fortwährenden Beobachten und im Austausch mit anderen formt, kann Kunst solche Prozesse verdichten, intensivieren und schärfen – als Medium der Wahrnehmung, der Selbstbefragung und der Kommunikation.
ARTBASEL: 18. – 21. Juni 2026
(freier Eintritt für Inhaber des VIP-Passes)
KUNSTTAGE BASEL: 28. – 30. August 2026 (Sonntag, 30. August: Performance-Programm mit lisa laurent und Oiseau de nuit, Beginn 15 Uhr, freier Eintritt)
EUROPÄISCHE TAGE DES DENKMALS: 19. – 20. September 2026
(Samstag, 19. September: Einweihung des restaurierten Adlers der Fondation Fernet-Branca / Sonntag, 20. September: Finissage, freier Eintritt)
Kommendes Programm
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